Vertical Farming Projekt „Smart Pölten 2.0“

Das Projekt „Smart Pölten 2.0“ zielt auf sanierungsbedürftige Gebäude in St.Pölten ab, denen ein ökologisch-nachhaltiger Anstrich gut stehen würde. Im Mittelpunkt steht das Vertical Farming, womit nicht nur die Energieeffizienz der Häuser gesteigert, sondern auch eine lokale Lebensmittelproduktion ermöglicht werden soll.

Großes Potenzial von Vertical Farming in St.Pölten

Hinter dem Projekt steht das Vertical Farm Institute (vfi), das St.Pölten nach eigenen Angaben zur  „fittest city of Austria“ verhelfen will. In der einjährigen Projektstudie werden vier Wohnhäuser, die in den nächsten fünf bis zehn Jahren saniert werden sollen, auf ihre Potenziale mit Vertical Farming untersucht. Architekt Daniel Podmirseg erklärt im Gespräch mit der NÖN, dass eine Machbarkeitsstudie zeigen soll, ob die Energieeffizienz der Häuser gesteigert werden kann. Zum Beispiel mit einem Gewächshaus auf dem Dach. Die Pflanzen isolieren das Dach vor der Sonne und senken dadurch den Energiebedarf. Alternativ dazu könnte auch vor der Fassade ein Glashaus gebaut werden. Die Bewohner würden dann direkt in den vertikalen Garten sehen. Voraussichtlicher Start des Projekts ist im Oktober 2017.

Vertical Farming Beispiel
Vertical Farming © BrightAgrotech
Bewohner stehen im Zentrum der Planung

Bei der Planung sollen vor allem die Bürger miteinbezogen werden. Als spätere Co-Betreiber der Vertical Farms muss auch das nötige Know-How vermittelt bzw. auch die Bedürfnisse der BewohnerInnen berücksichtigt werden. Schlussendlich bleibt es aber den Hausbewohner selbst überlassen, ob sie sich selbst einbringen wollen oder nicht. Alternativ dazu könnte das die Gemeinde übernehmen. Noch heuer soll die erste Infoveranstaltung für Bürger stattfinden.

Auch Aquaponic-Systeme angedacht

Im Vertical Farming werden bisher hauptsächlich Blattsalate und Kräuter angebaut. Architekt Podmirseg denkt auch über Aquaponic-Systeme nach, die neben Gemüse, auch Fische bieten könnten. Allerdings ist die Integration der Anlagen in die bestehende Bausubstanz stark von der Statik abhängig. Aufgrund des hohen Gewichts der Fischtanks, könnten die eventuell im Keller ihren Platz finden. Außerdem bieten die Keller gute Rahmenbedingungen für die Pilzproduktion, wie das schon Hut und Stiel erfolgreich in Wien vorgemacht haben. Statt Fischen könnten auch Süßwasser-Garnelen in den Fischtanks schwimmen, wie in der Anlage von Daniel Flock und Markus Schreiner in Hall.

Hohe Armortisationsdauer

Abhängig von der Nutzung der vertikalen Farm fallen auch die Kosten für die Umsetzung aus. Dabei beträgt die Amortisierung zwischen sieben und 20 Jahren. Laut Parnreiter-Mathys bedeutet das für einen Investor, dass er sein Geld in zwölf Jahren zurück hat.

Vorteil Vertical Farming

Architekt Podmirseg sieht vor allem in der besseren Ausnutzung der verbauten Flächen einen Vorteil. Während in der Landwirtschaft die Nutzflächen immer weniger werden, kann im Vertical Farming auf die Horizontale verzichtet werden. Am Land bieten sich durch die Abwanderung aus Gemeinden leerstehende Gebäude zur Wiederbelebung und Schaffung neuer Arbeitsplätze an.

Laut Umfrage auf noen.at stimmten 18,6% der Leser, dass Vertical Farming in St. Pölten etwas überflüssig ist. Für knapp drei Viertel der Leser ist das vor allem in der Stadt eine gute Idee. In der Bundeshauptstadt ist der Anbau von Obst und Gemüse schon lange verbreitet: Wien ist Pionierstadt des Urban Gardening.