Grüne Dächer kühlen Großstädte

Der Sommer ist nun endgültig vorbei und wir blicken zurück auf Hitze, Unwetter und Tropennächte. Glaubt man aktuellen Einschätzungen von Klimatologen, werden die Sommer immer heißer. Besonders stark würden darunter große Städte leiden. Grüne Dächer und Fassaden könnten künftig sehr stark zur Lebensqualität in der Stadt beitragen. In Österreich herrscht allerdings noch Aufholbedarf. 

„Nicht für dieses Klima gemacht“

Im Rekordsommer 2015 gab es in Wien so viele Wüstentage (Tage mit mehr als 35 Grad) wie noch nie. „Unsere Städte sind nicht gemacht für dieses Klima“, sagt Metereologin Maja Zuvela-Aloise von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). Gegen den Hitzeanstieg in Großstädten haben sich 13 internationale Institutionen von Berlin über Wien bis Kairo zusammengeschlossen und untersuchen mithilfe von Computersimulationen, wie das Stadtklima durch Begrünung, reflektierende Dachfarben und andere Maßnahmen verbessert werden kann. Nutzt man alle städtebaulichen Möglichkeiten in diesem Bereich aus, könnte die Zahl der Tage über 30 Grad um bis zu 29% reduziert werden. In Wien sind laut ZAMG 45% der Dächer begrünbar – tatsächlich seien aber nur zwei Prozent grün.

Die grünen Türme von Porta Nuova
Bosco Vertikale
Bosco Vertikale in Italien

Im Zentrum Mailands wurde ein 20.000 Quadratmeter großer, 900 Bäume umfassender Wald, der Bosco Verticale, als Teil der immerhin 76 und 110 Meter hohen Fassaden zweier Hochhäuser gebaut. Das Mailänder Architekturbüro Boeri Studio wurde dafür mit dem internationalen Hochhauspreis ausgezeichnet. Ein Jahr hat alleine die Begrünung gedauert.
Aufwendige Erhaltungsleistungen bleiben aber die Schwachstelle solch innovativer Begrünungsvorhaben an Gebäuden.

Grüne Dächer in der Seestadt Aspern

In Stadtentwicklungsgebieten finde man grüne Dächer schon jetzt erzählt Jürgen Preiss von der Wiener Umweltschutzabteilung. „Vom Flugzeug aus ist die Seestadt Aspern nicht mehr erkennbar“. Allein aber die Unterschiede zwischen hellem und dunklen Fassaden liegen laut Messungen der Stadt Wien bei bis zu 20 Grad. Der Bedarf an grünen Fassaden und Dächern sei in den dicht bebauten Gebieten am größten. Ausnahmen bilden historische Bauten. Dennoch schließen sich Kletterpflanzen und Denkmalschutz nicht aus.

© Buwog

Wichtig ist, dass auch das Engagement der Stadtbewohner bei der Finanzierung der Grünflächen nötig sein wird. Schließlich müssten Bewohner bei den oben schon angesprochenen Erhaltungsleistungen ihre Hands-on-Mentalität unter Beweis stellen.

Innovationslabor „GrünstattGrau“ setzt Impulse

Der Verband für Bauwerksbegrünung (VfB) hat im August mit GrünstattGrau ein Innovationslabor gestartet, das in ganz Österreich Demonstrationsprojekte initiiert, begleitet und als Innovationsmotor fungieren wird. Durch grüne Dächer und Fassaden werden Großstädte um ein Vielfaches lebenswerter und wirken der prognostizierten Klimaveränderung entgegen. Der VfB kümmert sich außerdem darum, dass das öffentliche Bewusstsein für grüne Bauweisen geschärft wird und Bauvorschriften entsprechend ausgerichtet und Begrünungsprojekte stärker als bisher gefördert werden.