Mühlviertel: Batterie für E-Autos von Kreisel Electric

Im oberösterreichischen Freistadt in einem Hinterhof haben die Gebrüder Kreisel den Grundstein für ein Millionengeschäft gelegt. Kreisel Electric bietet Elektromobilität für Schiffe, Fahr- und Flugzeuge made in Austria. Die Bekanntheit der kleinen Garage reicht von allen großen deutschen Automobilherstellern bis zu Arnold Schwarzenegger in Kalifornien. Ein Lokalaugenschein.

Die Geschichte hinter dem Erfolg der Kreisel Brüder beginnt im Red-Zac-Geschäft der Eltern, wo sie sich in ihrer Jugend viel mit Elektronik beschäftigt haben und auch hauseigene Bassboxen bauten, die sogar Staats- und Weltmeistertitel einbrachten. Johann Kreisel wurde dann Elektroniker, Markus Kreisel Kaufmann und Philipp Kreisel Maschinenbauer. Nachdem sich Vater Kreisel im Jahr 2012 einen Elektro Renault kaufte, wurden die Brüder neugierig. Markus Kreisel dachte sich, dass man sowas doch auch selbst bauen können muss. Zwei Jahre später gründeten sie Kreisel Electric.

Vom Garagen-Start-up zu Unternehmen mit 54 Mitarbeitern

Kreisel Electric entwickelt elektrische Lösungen für Schiffe, Fahr- und Flugzeuge und verkauft sie über eine Lizenz. Innerhalb von drei Jahren wuchs das Start-up zu einem Unternehmen mit 54 Mitarbeitern. Die Welt von Markus Kreisel: große Visionen, große Kunden und große Beträge. Im Geschäftsjahr 2015 hat das Unternehmen einen Umsatz von 4,5 Millionen erwirtschaftet. Im Jahr danach waren es ungefähr zehnmal so viel. Doch was ist ihr Geheimnis?

15 bis 20 Prozent leistungsfähiger als das beste Konkurrenzprodukt

Das Batteriepack von Kreisel Electric ist nach eigenen Angaben um 15 bis 20 Prozent leistungsfähiger als das beste Konkurrenzprodukt am Markt. Zwar kaufen sie dieselben Akkuzellen von Samsung und Panasonic wie die Hälfte der Mitbewerber, aber sie lasern die Akkus aneinander anstatt sie zu schweißen. Dadurch sind die Akkus weniger Hitze ausgesetzt, was sie weniger beschädigt. Außerdem wird jede Zelle von Flüssigkeit umströmt, die sie heizt oder kühlt. Das hält die Temperatur besser als die üblichen Kühlrohre aus Aluminium und braucht weniger Platz.

Kreisel Electric bringt das Silicon Valley ins Mühlviertel

Das Unternehmen wächst so stark, dass sie im benachbarten Rainbach ein neues Kreisel „Headquarter“ für mehr als zehn Millionen Euro errichtet haben. Momentan findet die große Umzugsaktion in den neuen Komplex aus Beton und Glas statt. Dort warten dann ein Dach mit Sportbecken, Fitnessgeräte, ein Spabereich und eine Rutschstange vom Chefbüro in die Werkstatt auf die Führungskräfte und ihre Mitarbeiter. Die extravagante Einrichtung soll die Mitarbeiter motivieren. Markus Kreisel erklärt, dass sie auch sehr viel arbeiten werden müssen. So kommt das Silicon Valley ins Mühlviertel.

Elektro-Autos kein Mittel zur CO2-Reduktion

Dennoch sind solche Erfolgsgeschichten ernüchternd, wenn man den Umweltaspekt betrachet. Eine schwedische Studie (Meta-Studie) kommt zu dem Ergebnis, dass für die Herstellung von Lithium-Ionen-Akkus, pro Kilowattstunde (kWh) Kapazität rund 150 bis 200 kg Kohlendioxid emittiert werden. Dazu wurden die Elektroautos Nissan Leaf und Tesla Model S mit 30 kWh und 100 kWh-Akkus untersucht. Somit fallen bei der Produktion der Akkus für den kleinen Nissan 5,3 Tonnen CO2 an, beim Tesla sogar 17,5 Tonnen CO2. Im Vergleich dazu, müsste ein Diesel- oder Benzin-Auto für die gleiche Umweltbelastung des Nissan rund drei Jahre gefahren werden, beim Tesla sind es laut Studie acht Jahre.